Soziales Urheberrecht?

FotoreporterWir leben in einer Zeit, in der beinahe alles schnell besorgt werden kann. Das Internet ist da eine große Hilfe. Eine Grauzone ist das Urheberrecht. Viele Bilder und Fotos sind urheberrechtlich geschützt, ohne dass sie auch als solche gekennzeichnet sind. Der Gesetzgeber geht einfach davon aus, dass jeder wisse welches Bild geschützt ist und welches eben nicht.

Findige Fotografen platzieren ihre Bilder im Internet, um dann bei einem Bildabgleich kostenpflichtig abmahnen zu können. Andere Fotografen weisen den Urheberechtsverletzer per Mail auf das Vergehen hin und bieten die Nutzung kostenpflichtig an oder fordern die sofortige Entfernung. Manchen ist es auch egal, da sie sozial eingestellt sind und sich über diese Form der Anerkennung freuen.

Ich wurde von Robert K. (Köln) über einen Medienanwalt aus Landshut abgemahnt, weil ich ein Bild von ihm zweimal verwendete. Mir war Herr K. nicht als Urheber bekannt und ich wusste auch nicht woher das Bild stammte, weil es im Juni 2013 von einer anderen Person hoch geladen wurde, als ich noch keinen Zugriff für den Admin-Bereich hatte. Dies teilte ich Robert K. mit und entschuldigte mich dafür. Das beanstandete Bild habe ich sofort entfernt und die beigefügte Unterlassungserklärung unterschrieben. Das reichte dem Fotografen jedoch nicht, weshalb er nun ein gerichtliches Mahnverfahren gegen mich anstrebt, das mich jetzt über 1500 Euro kosten soll.

Dass ein Urheberrecht geschützt werden kann, ist auch mir klar. Fotografen lichten häufig (ungefragt) fremdes oder öffentliches Eigentum ab, um die Bilder dann teuer zu verkaufen. Diese Fotografen bereichern sich so durch das Eigentum anderer, ohne dafür zu bezahlen. Manchmal bieten sie aber auch eine Gegenleistung an. So bezahlen sie beispielsweise ihre Fotomodelle mit Foto-CD’s. Das Modell überträgt seine Persönlichkeitsrechte von den Fotos an den Fotografen und erhält im Gegenzug eine Foto-CD. Wie, wann und wie oft diese Fotos verwendet werden, entscheidet dann oftmals der Fotograf oder Käufer des Bildes.

Geht es manchen Fotografen finanziell so dreckig, dass sie auf Schadenersatzzahlungen angewiesen sind, weil Agenturen nicht dazu bereit sind über 300 Euro für ein Foto auszugeben? Werden Fotografen von Abmahnanwälten dazu gedrängt abzumahnen?

Viele Fotografen sind meiner Erfahrung nach sozial, weltoffen, tolerant, kreativ und verständnisvoll. Robert K. scheint aber nicht dazu zu gehören. Da siegt dann wahrscheinlich doch der Kapitalismus…

Nun arbeite ich an einer spontan neuen Idee: Ich will eine Webseite erstellen, auf der kostenlos Bilder angeboten werden; in Verbindung mit einer noch zu erstellenden Webseite, die sich gegen Abmahnungen richtet. Alle Hobbyfotografen und Profis können dann ihre eigenen Fotos zur freien Verfügung zusenden und alle Blogger und Webseitenbetreiber dürfen die dann kostenlos nutzen. Kann sein, dass dafür ein Verein gegründet werden muss, um die Kosten wieder einzufahren. Das ist bisher nur eine von vielen Überlegungen. Es wird zwar bei manchen Profifotografen und gewinnorientierten Bildanbietern Gewinneinbußen bringen, aber ich will mehr Sicherheit für private Webseitenbetreiber wie mich schaffen. Der Aufbau so einer Seite könnte Jahre dauern, aber die Sicherheit vor Abmahnung sollte diesen Aufwand wert sein. Es müssen halt nur möglichst viele Menschen bereit sein ihre Bilder von Alltagsgegenständen, öffentlichen Gebäuden, Fotomontagen und Personen für so eine soziale Webseite freizugeben…

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Bildquellen

  • Fotoreporter: Frank Borgmann
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