Das Gebet

Der Koran schreibt dem Gläubigen das Pflichtgebet zu fünf bestimmten Tageszeiten vor. Man unterscheidet die eigentlichen Pflichtgebete (fard), die keinesfalls unterlassen werden dürfen, von den sogenannten sunna-Gebeten, die den fard-Gebeten vorangehen oder folgen. Nafl-Gebete sind vollkommen freiwillige Gebete. Witr ist ein verbindliches (wadschib) Gebet, das nach dem Nachtgebet verrichtet wird und aus drei Gebetsabschnitten besteht. Alle Gebete bestehen aus einer bestimmten Anzahl von Gebetsabschnitten (rak‘a, siehe unten). Die folgende Tabelle gibt Aufschluß über Zeiten des Gebets, Anzahl der Abschnitte (rak‘a) in jedem Gebet und über die Art der Gebete (fard, sunna, nafl, wadschib).

Es ist nicht statthaft, Gebete zu den drei folgenden Zeiten zu verrichten:
– während des Sonnenaufgangs
– während des Sonnenuntergangs
– während die Sonne am höchsten Punkt im Himmel steht

Kein fard-Gebet soll außerhalb seiner eigentlichen Zeit verrichtet werden. Wenn ein fard-Gebet aus unvermeidlichem Grund nicht rechtzeitig gebetet werden konnte, muss es zum frühest möglichen Zeitpunkt nachgeholt werden.

Die rituelle Reinheit
Die rituelle Reinheit wird durch eine Waschung (wudhu) vor dem Gebet hergestellt. Hierzu verwendet man reines Wasser und macht sich die Absicht (nijja) zur Waschung bewusst. Dann sagt man „Bismillahi-r-rahmani-r-rahim“ und wäscht sich in dieser Reihenfolge:

• die Hände bis einschließlich der Handgelenke (3 mal),
• man spült den Mund aus (3 mal),
• man reinigt die Nase durch Inhalieren und Ausblasen von Wasser (3 mal),
• man wäscht das Gesicht einschließlich Stirn und Kinn (3 mal),
• man wäscht den rechten und danach den linken Unterarm von Ellbogen bis Handgelenk (je 3 mal),
• man fährt mit nassen Händen über das Kopfhaar
• man befeuchtet die Ohren mit den Händen
• man wäscht den rechten und danach den linken Fuß einschließlich der Knöchel, (je 3 mal).

Nach der Waschung kann man ein kurzes Gebet sprechen:

Nach einer großen Verunreinigung (nach Geschlechtsverkehr, Samenerguss, Menstruation) wird zur Herstellung der rituellen Reinheit ein Duschbad (ghusl) genommen. Dabei sind zuerst die verschmutzten Körperteile gründlich zu säubern. Dann verrichtet man wudhu wie oben. Anschließend streicht man mit nassen Händen und geöffneten Fingern durch die Kopfhaare über die Kopfhaut. Schließlich gießt man Wasser über den Kopf und den gesamten Körper (3 mal), zuerst über die rechte, dann die linke Körperhälfte. Hierbei darf keine Körperstelle trocken
bleiben.

Bekleidung
Für das Gebet gibt es keine besondere rituelle Bekleidung. Die Kleidung muss aber sauber und darf nicht rituell verunreinigt sein (z.B. durch Blut, Urintropfen etc.) Das Gebet wird in üblicher Kleidung verrichtet, wobei Muslime, was Kleidung allgemein betrifft, bekanntlich gewisse Grundregeln nicht verletzen. Für Männer und Frauen gilt, dass die Bekleidung den Körper verhüllen muss und die Körperformen und Geschlechtsmerkmale nicht betont. Die in jedem Falle, auch für das Gebet, zu bedeckenden Körperteile werden ‘aura genannt. Die ‘aura des Mannes reicht vom Nabel bis zu den Knien, doch empfiehlt es sich, das Gebet vollständig bekleidet zu verrichten. Die ‘aura der Frau ist der gesamte Körper mit Ausnahme des Gesichts und der Hände.

Ausrichtung und Ort des Gebetes
Während des Gebets steht man mit dem Gesicht in Richtung der Ka‘ba in Mekka. Diese Gebetsrichtung wird qibla genannt. Sie liegt in Mitteleuropa etwa auf Süd-Süd-Ost und kann in jedem Fall leicht mit Hilfe eines Kompasses bestimmt werden. In Moscheen wird die Gebetsrichtung durch eine Nische (mihrab) in der Stirnwand des Gebäudes angezeigt. Das Gebet kann an jedem sauberen Platz verrichtet werden. Der Einfachheit halber wird oft eine Gebetsmatte benutzt. Wo Gefahr besteht, dass unachtsame Personen während des Gebets vor dem Betenden vorbeigehen, soll man einen Gegenstand vor sich legen (sutra) und derart seinen Gebetsplatz nach vorn abgrenzen. Durch diese Maßnahme wird anderen das Vorbeigehen gestattet.
Der Text wurde auszugsweise von der Webseite http://islam.de/52.php übernommen. Dort wird das Thema Gebet noch genauer und auch bildlich dargestellt behandelt.



Fatwa zum Gebet

Frage:
„Wird ein Muslim, der den Koran lächerlich macht und das Gebet vernachlässigt, als Ungläubiger betrachtet?“

Antwort:
„Ein Muslim wird für ungläubig gehalten, wenn er einen der [aufgezählten] Verstöße gegen den Islam begeht:
Wer den Koran, den Propheten Muhammad, das Gebet, das Fasten oder etwas anderes, was von Allah vorgeschrieben wurde, verspottet, gilt nach Übereinstimmung aller [muslimischen] Gelehrten als Ungläubiger.
Wer das Gebet absichtlich vernachlässigt, gilt nach den authentischsten Aussagen der [muslimischen] Autoritäten als ungläubig, selbst wenn er die Pflicht zum Gebet nicht leugnet.Wenn jemand das Gebet aus Faulheit und Gleichgültigkeit vernachlässigt, gilt er nach den authentischen Aussagen der Gelehrten als ungläubig.

Denn Allahs Prophet, Muhammad, hat gesagt: ‚Das Allerwichtigste ist der Islam. Die Säule [des Islam] ist das Gebet!‘ Wer eine Säule des Islam aufgibt, wird zum Ungläubigen.“



Sonderregelungen

Nach Fehler beim GebetGebet während Kriegszügen

Bildquellen

  • Nach Fehler beim Gebet: Frank Borgmann
  • Gebet während Kriegszügen: Frank Borgmann